Wenn man nur Fakten aufschreibt und sich eigener Kommentare enthält, dann ist das doch sauberer Journalismus, oder?
Kann man überhaupt mit Wahrheiten einen falschen Eindruck erzeugen, der Leserschaft ein bestimmtes fehlerhaftes Narrativ nahelegen, deren Gedanken lenken und sie auf diese Weise manipulieren?
Man kann, die M(ärkisch)A(llgemeine)Z(eitung) kann und ihr Redakteur Wilisch kann es besonders gut!
Schaut man sich die Berichterstattung über die vergangenen Wahlen (Europawahl, Kommunalwahl, Landtagswahl) an, so wird über die Zuwächse bei der AfD berichtet, abgebildet und zitiert werden aber nur die Kandidaten der anderen Parteien, die ihre knappen Siege oder krachenden Niederlagen kommentieren und immer ihr Bedauern über unsere Ergebnis zum Ausdruck bringen dürfen.
Uns erreichte keine Interviewanfrage. Die Berichte waren faktengesättigt aber nicht umfassend – Lückenpresse halt. Diese Methode der AfD-Ausgrenzung ist etwas zu auffällig und letztlich für eine „nachhaltige“ Manipulation nicht geeignet.
Besser geht es so:
11 Tage vor der Landtagswahl veranstaltete die MAZ ein MAZ-talk im Wahlkreis 4 und lud unseren Direktkandidaten Kai Berger ein. Herr Berger musste absagen, da er bereits zu einer anderen Veranstaltung eingeladen war. Eine Einladung, die schon länger bestand.
Am 15.08.2019 schreibt die MAZ: „Nicht teilnehmen wird Kai Berger (AfD), er bestätigte jetzt noch einmal seine Absage.“ Nichts davon, dass es terminliche Gründe dazu gab, nichts vom ausgedrückten Bedauern, dass er leider absagen muss. Nur die kalte Tatsache.
Im MAZ-Artikel zum MAZ-talk am 22.08. heißt das dann: „Und bis auf den AfD-Kandidaten Kai Berger, der offiziell aus terminlichen Gründen abgesagt hatten, waren alle dabei“. „Offiziell“…und damit sich auch der Eindruck verfestigt, dass der angegebene – „offizielle“ –  Grund vielleicht gar nicht stimmt, wurde ein Leserbrief veröffentlicht, der aussagte, dass Kai Berger noch 1,5 Stunden vor Veranstaltungsbeginn beim Flugblatt verteilen gesehen wurde. Auch das stimmt. Obwohl beide Fakten gar keinen Widerspruch ergeben (sondern nur Kai Bergers engen Terminkalender belegen), soll der Leser aber offensichtlich zum Schluss geführt werden, dass Kai Berger nur einen anderen Termin vorgeschoben hätte.
Wenn die AfD bodenständig und sachorientiert arbeitet und ein Thema beackert, für das Herr Wilisch möglicherweise sogar Sympathien hegt, schlägt sich das folgendermaßen nieder: In einem Artikel vom 15.11.2019 über den schlechten Straßenzustand in Rathenow und der in der Stadtverordnetenversammlung erhobenen Forderung nach einem Kataster, werden die wesentlichen handelnden Personen namentlich genannt. Einer ist von der FDP, der andere Verwaltungsmitarbeiter, die dritte Integrationsbeauftragte, der nächste vom Bauhof. Derjenige, der die Diskussion angeregt hatte – „Uwe Hendrich“ –hat dagegen keine erkennbare Funktion oder Herkunft. Uwe Hendrich hatte mit einem Rollstuhlfahrer eine Tour durch Rathenow gemacht und zahlreiche Barrieren feststellen müssen. Wer ist nun aber „Uwe Hendrich“? Er heißt korrekt Dr. Uwe Hendrich und ist Fraktionsvorsitzender der neuen AFD-Fraktion.
Kann man schon mal vergessen.
Alles Kleinigkeiten aber sicher mit Methode.
Perfider kann es Herr Wilisch aber auch: Im Westhavelländer schreibt er am 16.11.2019 unter der Überschrift „Kreis soll seine freiwilligen Programme behalten“ noch einen Untertitel: „Antrag aller Kreistagsfraktionen außer der AfD und dem fraktionslosen NPD-Mitglied zu Rotstift -Plänen der Verwaltung“
Auch das wird sicher wieder Fakt sein. Aber warum ist das so?
Weil AfD und NPD einen Block bilden?
Dem ist nicht so! (aber schön, die beiden Parteien mal wieder in einen Satz untergebracht zu haben, nicht Herr Wilisch?)
Weil die AfD die offene Jugendarbeit nicht finanzieren will?
Dem ist nicht so, im Gegenteil, im Jugendausschuss gab es ein einstimmig verabschiedetes Votum für den Erhalt durch alle Parteien, also mit der AfD.
Weil die AfD das Programm zur Förderung von Technik und Einsatzkleidung für die Freiwilligen Feuerwehren nicht finanzieren will?
Dem ist auch nicht so, genau das Gegenteil ist richtig. Während die anderen Fraktionen nun im Haushalt 600.000 Euro einstellen (immerhin eine Kürzung von 400.000 Euro gegenüber 2019) und sich damit feiern lassen wollen, hätten wir auch die komplette Fortführung des Programmes mit dem vollen bisherigen Finanzvolumen mitgetragen. Das entspricht unserem Kommunalwahlprogramm, denn die Feuerwehren sind nach unserer Auffassung nicht nur für den Rettungsdienst und den Katastrophenschutz zu unserer Aller Nutzen bestens auszurüsten sondern auch, weil sie wichtige Funktionen im gesellschaftlichen Leben erfüllen: In machen ländlichen Gemeinden läuft ohne die Freiwillige Feuerwehr nichts mehr…
Warum also haben wir dann diesen Antrag nicht auch unterzeichnet?
Weil wir erst aus der Presse davon erfahren haben. Weil man mit uns nichts machen will, weil man uns ausgrenzt!
Man will unserer Analyse offensichtlich recht geben, wonach es nur noch Blockparteien und uns, die einzige Oppositionspartei, gibt.
Natürlich weiß das Herr Wilisch alles ganz genau, er ist schließlich bestens vernetzt.
Aufklärender Journalismus ist sein Ding nicht, den journalistischen Begleitschutz für die Blockparteien zu stellen, dagegen sehr.
Das geht sogar mit Fakten – Drecksjournalismus bleibt es trotzdem!

Gerald Hübner – Fraktionsvorsitzender