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Gut gefüllt war der Saal im Casa Toro Negro am Montagabend. Rund 200 Zuhörer kamen zum Auftritt von AfD-Europapolitiker Jörg Meuthen. Der rechnete mit der Politik der Bundesregierung ab und kritisierte auch vehement die deutsche Europapolitik. Mit dabei an dem Abend war auch AfD-Landeschef Andreas Kalbitz.

Schon recht zeitig waren die Stühle an den Tischen im Saal des Restaurants Casa Toro Negro am Montagabend in Nauen besetzt. Und auch die Plätze drumherum füllten sich schnell. Etwa 200 Anhänger der AfD wollten mit Jörg Meuthen einen hochkarätigen AfD-Politiker sehen, der sich für den Abend angesagt hatte. Meuthen sitzt im EU-Parlament, ist dort Vize-Fraktionschef der EFDD. Zudem ist er einer von zwei Bundessprechern.

„Ich hatte einen Anruf von Andreas Kalbitz erhalten, der mich fragte, ob Jörg Meuthen eine seiner beiden Veranstaltungen in Brandenburg im Havelland machen kann“, erzählte Kai Berger, Vorsitzender des mit 140 Mitgliedern drittstärksten Kreisverbandes im Land. Er sagte zu. „Dann haben wir kurzfristig alles organisiert“, so Berger vor Beginn der Veranstaltung.

 Es gab keine Proteste

Beifall, als der Gast kam – eine Viertelstunde zu spät. Proteste vorm Haus konnten daran nicht schuld gewesen sein. Es gab keine. Die Polizei beobachtete aus dem Streifenwagen die Szenerie vor der Gaststätte entspannt aus einer gewissen Entfernung. Security-Mitarbeiter sicherten die Veranstaltung zusätzlich ab.

„Europa im Wandel – Deutschland im Umbruch“ lautete der Titel des Abends, zu dem auch der Landesvorsitzende Andreas Kalbitz und der Bundestagsabgeordnete Steffen Kotré gekommen waren.

Abrechnung mit Politikern

Zu Beginn seiner Rede rechnete Meuthen mit Politikern der etablierten Parteien ab; Ursula von der Leyen, Horst Seehofer oder Andrea Nahles bekamen ihr Fett weg. Und natürlich Angela Merkel. Durch ihre Politik, darunter die Flüchtlingspolitik, sieht er das Land in Gefahr.

„Der Bundestag ist eine Kampfarena, in der wir die Merkels, Seehofers, die Scholz’ und Kippings jagen“, so Meuthen, der mit ironischem Zeigefinger betonte, dass dies aber natürlich nur im metaphorischen Sinne gemeint sei. Stehende Ovationen gab es für seinen Ausruf: „Merkel muss weg“.

Wichtige Themen nicht auf der Tagesordnung

Der Europapolitiker sprach zudem davon, dass seit Jahrzehnten die wirklich wichtigen Themen nicht auf die Tagesordnung des EU-Parlamentes kämen. Dafür wolle er nun sorgen. Ein Thema sei die Zinspolitik der EZB. Außerdem kritisierte er, dass Deutschland noch mehr Geld nach Brüssel schicken soll.

Des Weiteren ging Meuten auf die Einladung durch das Saldern-Gymnasium in Brandenburg an der Havel ein. Dort soll er Mittwoch mit Schülern über Demokratie diskutieren. „Als meine Teilnahme bekannt wurde, protestierten einige so genannte besorgte Schüler dagegen. Sie sagten, die Wahrscheinlichkeit sei hoch, dass Meuten, ich zitiere, während der Diskussion eine rassistische oder fremdenfeindliche Aussage tätigen wird“, meinte Meuthen. „Von mir hat noch nie einer eine rassistische oder fremdenfeindliche Aussage vernommen. Das wird auch in Zukunft nicht passieren.“

„Mit den Ergebnissen können wir gut leben“

Andreas Kalbitz sieht derweil keinen Grund, sich wegen der Niederlagen bei der Bürgermeisterwahl in Guben und der Landratswahl in Spree-Neiße Sorgen zu machen. „Mit den Ergebnissen können wir gut leben und es ist das Produkt harter Arbeit.“ Er warf den anderen Parteien vor, keine Konzepte, keine Ideen und keine Vision zu haben – im Gegensatz zur AfD: „Wir glauben an ein souveränes Deutschland im Kreis europäischer Partnerschaften.“

In Sachen Zuwanderung bekräftigte er: „Ja, es gibt viele Muslime, die gehören inzwischen zu Deutschland, die rechtstreu und integriert hier leben. Und nein, der Islam gehört nicht zu Deutschland und er wird es nicht für alle Zukunft.“ Den Leuten, die der AfD fehlende Konzepte vorwerfen, antwortete Kalbitz mit einem Zitat des bürgerlichen Franz Josef Strauß: „Ich liege lieber grob richtig als exakt falsch.“

„Das Kommen hat sich gelohnt“

Der AfD-Ortsvorsitzende Horst Paasch aus Schönwalde-Glien war nach der Veranstaltung zufrieden: „Das Kommen hat sich gelohnt.“ Vor allem, dass Meuthen Satire in seine Reden einbindet, findet er gut.

Von Andreas Kaatz